Intendantensuche – über Peymanns Berufung nach Stuttgart 1973

„Mitten in den Proben kam dann einer dieser Anrufe, wie man sie gern farbenfroh in Erinnerung behält. … Am anderen Ende der Leitung stellte Hans Peter Doll, der Generalintendant der Württembergischen Staatstheater in Stuttgart, die erlösende Frage: „Willst du mein Schauspieldirektor werden? Wenn ich nicht sofort einen neuen Mann präsentiere, bin ich meinen Job los. Du musst mein Leben retten.“ – „Ja, aber …“ – „Steh einmal auf: Siehst du den Mercedes da drüben? Der Mann daneben ist mein Chauffeur. Er fährt dich jetzt zu uns nach Hause und morgen früh wieder zur Probe zurück.“ Nachts wurde das Grundsätzliche geklärt: „Du bist der Chef, der Nachfolger von Palitzsch, mehr musste ich ihm nicht sagen“, so Doll. Innerhalb von drei Tagen arrangierte sich Peymann mit dem Stuttgarter Oberspielleiter Alfred Kirchner, war der Baden-Württembergische Kultusminister in Kenntnis gesetzt und das Einverständnis des Verwaltungsrates eingeholt.“

Aus: Roland Koberg: Aller Tage Abenteuer. Claus Peymann. Biographie. Berlin 2000, S. 150f

Es drängen sich Parallelen zur aktuellen Bochumer Situation auf. Man darf auch folgende Fragen stellen:
– Ist Herr Townsend auch seinen Job los, wenn er nicht schnellsten einen Kandidaten findet?
– Hat Herr Townsend keinen Mercedes, um einen Kandidaten nach Bochum zu holen?
– Arbeitet Herr Townsend grundsätzlich nicht nachts?
– Ist man im Ruhrgebiet behäbiger als in Schwaben, wo dem Vernehmen nach doch alles ein bisschen länger dauern soll?